Wegen Ghosn-Krise: Renault meldet ersten Verlust seit zehn Jahren

Translating…

Erster Verlust seit zehn Jahren

Der Wirbel um den flüchtigen Topmanager Carlos Ghosn hinterlässt Spuren in den Geschäftszahlen von Renault: Der französische Autobauer macht Verluste – zum ersten Mal seit zehn Jahren.

Rückt bald wieder ins zweite Glied: Renault-Interimschefin Clotilde Delbos

Rückt bald wieder ins zweite Glied: Renault-Interimschefin Clotilde Delbos

IAN LANGSDON/EPA-EFE/REX

Turbulenzen beim PartnerNissanhaben dem französischen Autobauer Renault den ersten Verlust seit zehn Jahren eingebrockt. Der Konzern wies für das abgelaufene Jahr einen Fehlbetrag von 141 Millionen Euro aus und kürzt die Dividende für die Aktionäre, zu denen auch der französische Staat gehört.

Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Nettogewinn von 3,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Als Gründe für den Einbruch nannte das Management Belastungen beim gebeutelten japanischen Partner Nissan und schlechter laufende Geschäfte in China. Renault ist mit 43 Prozent Hauptaktionär des zweitgrößten japanischen Autokonzerns.

Für 2020 rechnet Renault wieder mit einem Gewinn. Renault will seine strukturellen Kosten in den kommenden drei Jahren um zwei Milliarden Euro senken. Interimschefin Clotilde Delbos kündigte dazu eine Überprüfung von Bereichen an, die nicht zum Kerngeschäft des Konzerns gehören. 

Delbos ist eigentlich Finanzchefin von Renault, den Vorstandsvorsitz hatte sie übernommen, nachdem Thierry Bolloré im Oktober als Chef abgesetzt worden war. Die Personalrochade war Teil der Aufräumarbeiten nach dem Ende der Amtszeit des schillernden ManagersCarlos Ghosn, der wegen unbewiesener Vorwürfe der Untreue inzwischen in den Libanon geflüchtet ist.

Finanzchefin Delbos soll bald Stellvertreterin von Luca de Meo werden, der zur Jahresmitte als neuer Konzernchef bei Renault antritt. Der ehemalige Seat-Chef soll dem französischen Autobauer neuen Schwung verleihen. Ihm wird auch zugetraut, die unterschiedlichen Kulturen aus asiatischen Unternehmen und der Franzosen zu moderieren.

Carlos Ghosn bei einer Pressekonferenz 2018. Inzwischen hat sich der Manager aus Japan abgesetzt, wo ihm der Prozess gemacht werden sollte

Carlos Ghosn bei einer Pressekonferenz 2018. Inzwischen hat sich der Manager aus Japan abgesetzt, wo ihm der Prozess gemacht werden sollte

Vincent Isore/ imago images

Probleme wegen neuen Klimavorschriften

Die Allianz, zu der auch der japanische Autobauer Mitsubishi gehört, steckt nach der Entlassung von Konzernchef Ghosn in einer tiefen Krise. Nissan versucht, mit einem massiven Personalabbau und der Schließung von Produktionsstandorten aus der Krise zu kommen.

Hinzu kommt ein struktureller Wandel. Derzeit stehen alle klassischen Autobauer unter dem Druck, hohe Investitionen in umweltschonendere Antriebe aufzubringen, um damit die Klimavorgaben der EU zu erfüllen. In gemeinsamen Verbünden – wie Nissan und Renault – sind sie nach Meinung von Experten eher dazu in der Lage als getrennt.

Der Trend in der Branche geht ohnehin in Richtung weiterer Kooperationen und Zusammenschlüsse. Eine Auflösung des Bündnisses von Renault und Nissan wäre Analysten zufolge wegen der engen technischen Zusammenarbeit keine Alternative.

Icon: Der Spiegel

Mehr zum Thema

Von Instrumentenkästen und GeisterflughäfenVon Instrumentenkästen und Geisterflughäfen

Lees Verder

Plaats een reactie