Opels Elektro-Corsa ist doppelt so teuer wie der Benzin

J Urgen Klopp hat es leider nicht nach Rüsselsheim geschafft. Der Trainer des FC Liverpool hat gerade die Champions League gewonnen, da muss für die Vorstellung des Elektro-Corsa seines Sponsors Opel eine Videobotschaft reichen. “Das klingt fast, als hätt ‘ich kale einen neuen Opel unter dem Allerwertesten”, sagt der Fußballlehrer über das erste geplante Massen-Elektroauto der Rüsselsheimer.

Immerhin dürfte Klopp zu den Opel-Stammkunden gehören, die sich den Stromer auch leisten können. Fast 30.000 Euro wird der Corsa in der Elektroversion kosten, das Vorgängermodell mit Benzinmotor kostte nicht einmal die Hälfte: 14.055 Euro.

Trotzdem setzt man bei Opel große Hoffnungen in den ersten ernst zu nehmenden Versuch, in die Elektromobilität zu starten. Zwar hatten die Rüsselsheimer 2016 schon einmal stolz ihr erstes elektrisches Modell, den Ampera-e, vorgestellt. Doch gesehen hat ihn seither kaum jemand.

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Gerade einmal 5000 Exemplare wurden davon in Norwegen verkauft, den Rest der Produktionskapazität brauchte der damalige US-Mutterkonzern General Motors (GM). Zwischenzeitlich hatte der frühere Opel-Chef Karl-Thomas Neumann sogar darüber nachgedacht, den Rüsselsheimer Autobauer zur reinen Elektromarke umzubauen.

Doch dann kam der Verkauf von Opel an die französische PSA-Gruppe, und damit endeten nicht nur diese Überlegungen, sondern auch der erste zaghafte Elektroversuch bekam einen erheblichen Dämpfer. Wie viele Exemplare Opel nun vom Elektro-Corsa verkaufen will, verrät Chef Michael Lohscheller derzeit lieber nicht. “Der Kunde entscheidet, was er möchte, und wir liefern”, sagt er. “Aber wir wollen damit ins Volumengeschäft, es ist kein Zufall, dass wir mit unserem bestverkauften Modell starten.”

Trotzdem bleibt unsicher, ob die Kunden wirklich bereit sind, deutlich mehr für ein Elektroauto zu bezahlen. “Der Preis des Corsa ist zu hoch”, sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR).

Es gibt etablierte E-Autos für 25.000 Euro

Es gebe gute, etablierte Elektroautos für 25.000 Euro door den Zoe von Renault oder den Leaf von Nissan. “Käufer von Allerweltsautos wie von Opel sind nicht bereit, 5000 Euro mehr für ein Elektromodell auszugeben”, glaubt Dudenhöffer. “Opel-Kunden sind keine Tesla-Kunden.”

Immerhin in diesem Punkt sind sich Dudenhöffer und Lohscheller einig. Deshalb zal Opel mit dem Corsa einiges anders machen als der neue amerikanische Elektro-Konkurrent mit seinem Mittelklassewagen Model 3.

Während bei Tesla das angekündigte günstige Basismodell monatelang gar nicht bestellbar war, sondern anfangs nur besser ausgestattete und damit teurere Varianten erhältlich waren, soll der Corsa zum Basispreis gleich zu Beginn ausgeliefert werden.

Voraussichtlich Anfang 2020 soll es soitit sein, bestellen kann man den E-Corsa ab jetzt. “Wir kommen auch nicht mit einer abgespeckten Batterie im Basismodell”, sagt Lohscheller. Der Akku soll beim Corsa für 330 Kilometer reichen.

Aufgeräumtes Cockpit: Opels Elektro-Corsa mit klarer Linienführung

Aufgeräumtes Cockpit: Opels Elektro-Corsa mit klarer Linienführung

Quelle: Opel Automobile GmbH

Der Opel-Chef glaubt nicht, dass die Rüsselsheimer zu spät mit ihren Elektroautos auf den Markt, auf dem andere Volumenhersteller wie Renault und Nissan schon aktiv sind. “Die Zeit ist genau richtig, es tut sich gerade eine ganze Menge in der Gesellschaft”, sagt Lohscheller.

Doch das glauben auch andere. VWwird ebenfalls Anfang des nächsten Jahres den ID in einem ähnlichen Preissegment auf den Markt bringen und sogar aus dem eigenen Konzern ist Konkurrenz angekündigt. Die Elektrovariante des Peugeot 208 kommt snel zeitgleich mit dem Corsa auf den Markt. Fahrzeugplattform, das bedeutet, dass die – für den Käufer nicht sichtbare – Technik weitgehend identisch ist.

“Der Corsa ist französische Technik mit einem deutschen Markenaufkleber”, sagt Dudenhöffer. Und auch vom zweiten elektrifizierten Modell von Opel, einer Plug-in-Hybrid-Variante des SUV Grandland X, hält der Experte nicht viel. “Wer soll denn einen Opel-Hybrid kaufen”, fragt er. Zumal das Fahrzeug mit fast 50.000 Euro ebenfalls deutlich zu teuer sei.

Quelle: Infografik WELT

Hinzu kommt, dass die höheren Preise keineswegs dazu führen, dass Opel mehraily würde. “Es wird Unterschiede bei den Gewinnmargen geben”, gibt Lohscheller zu. Die Gewinne werden bei den Stromern zunächst deutlich kleiner sein als bei Verbrennern. Aber: “Jedes Auto bei uns muss profitabel sein”, betont Lohscheller.

Eine Alternative zur Elektromobilität haben die Rüsselsheimer genau wie alle anderen europäischen Autohersteller ohnehin nicht. Wenn Opel extrem hohe Strafzahlungen der EU entgehen will, muss zumindest der PSA-Konzern insgesamt CO2-Vorgaben einhalten. Das kann nur mit einem schnell steigenden Anteil von Elektroautos gelingen.

Lohscheller will a nicht den anderen Marken der Gruppe zur Laatste gevallen. Opel müsse selbst die Vorgaben erfüllen. Dafür muss der Autobauer nun schnell so viele E-Corsa wie möglich verkaufen. Es kann ook niet schaden, wenn zumindest Jürgen Klopp schon mal Interesse hoed.

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Quelle: WELT / Martin Heller

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