Opel Corsa: Deutsch-Französische Freundschaft

Translating…

Der Corsa ist das populärste Modell im Opel-Stall, entsprechend wichtig nimmt man in Rüsselsheim den jetzt erfolgten Generationenwechsel. Dass der Neue intern Corsa “F” heißt, weist ihn als den Sechsten seiner Art aus – könnte aber auch für “Frankreich” stehen: Der Corsa 6 ist das erste Kind aus der Opel-Ehe mit dem französischen PSA-Konzern; die Plattform teilt er sich mit dem Peugeot 208. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass der Kleinwagen-Klassiker keinen eigenen Charakter besitzt – ganz im Gegenteil.

Der Corsa ist ein Klassiker im Opel-Programm, vielleicht sogarderKlassiker. Seit 1982 gibt es ihn, damals kam die erste Generation “A” auf den Markt. Seither sind fast 14 Millionen Exemplare vom Band gelaufen. Und während der einstige Volumenbringer im Kompaktsegment – vormals Kadett, heuteAstra– bedenklich schwächelt, führt der Corsa in ungebrochener Dominanz die Opel’sche Verkaufshitliste an und ist einer der gefragtesten Kleinwagen in Deutschland.

Daraus erklärt sich auch, weshalb die Premiere der neuen Generation F ein so wichtiges Ereignis für die Marke darstellt. Aber noch in anderer Hinsicht gilt der Modellwechsel als Meilenstein: Der sechste Corsa ist das erste Produkt, das der seit 2017 im Amt befindliche Opel-Chef Michael Lohscheller komplett verantwortet. Und gleichzeitig markiert der Neue das erste Modell, das unter dem Konzerndach von PSA entstanden ist. Der Corsa F baut auf der sogenannten CMP-Plattform auf, die auch derPeugeot 208nutzt, beide Kleinwagen pflegen somit ein enges Verwandtschaftsverhältnis.

Nicht einfach “copy and paste”

Nur “copy and paste” also? So einfach hat man es sich in Rüsselsheim nicht gemacht. Motoren und Antriebsstrang stammen zwar von PSA, ansonsten bewahrt sich der Corsa aber eine sehr eigene Identität. Wie mehr oder weniger alle modernen Kleinwagen hat auch Opels Junior die früher übliche Niedlichkeit abgelegt und sich zu einem eher scharfen Schnittchen entwickelt. Maskulin auftreten – das ist es, was zur Zeit alle im Segment wollen, vomNissan Micrabis hin zumAudi A1, dem der Corsa in der Seitenansicht nicht unähnlich sieht – dies vor allem dann, wenn der Kunde ein farblich kontrastierendes Dach in Schwarz oder Weiß wählt.

Der kleine Kompakte streckt sich um vier Zentimeter auf 4,06 Meter und wird gleichzeitig einen Tick flacher, was den nunmehr sportlicheren Auftritt noch unterstreicht. Der Dreitürer ist mangels Erfolg aus dem Programm geflogen, Opel bietet den Corsa nurmehr als Fünftürer an.

Opel Corsa

Kommt erst im nächsten Frühjahr: Digital-Cockpit für den Corsa. Hersteller

Vom längeren Radstand (2,54 Meter) profitieren die Passagiere, dennoch geht es im Fond kleinwagentypisch knapp zu, auch wenn Mitfahrer bis etwa 1,85 m Körpergröße noch genug Kopffreiheit vorfinden. Der Kofferraum wächst um 24 Liter auf 309 bis 1083 Liter, das liegt deutlich über demPeugeot 208(265 l), aber unterhalb desVW Polo(351 l). Einen doppelten Ladeboden gibt es leider nicht, und die kleine Stufe, die nach Umklappen der asymmetrisch teilbaren Rücksitzlehnen bleibt, ist ebenso unschön wie unpraktisch.

Beim Instrumentarium des Basis-Corsa tun sich noch die üblichen analogen Welten auf. Wer das Digital-Cockpit mit dem nicht allzu großen Display hinterm Lenkrad will, sollte etwas zuwarten, es wird im kommenden Frühjahr nachgereicht.

Im Interieur grenzt sich der Corsa ähnlich dezidiert vom französischen Bruder ab wie beim Exterieur. Wir finden, er erzielt hier einen Punktsieg: Während der 208 mit seinem spacig-abgehobenen i-Cockpit polarisiert – ultrakleines, unten abgeflachtes Lenkrad, hologrammartige 3D-Instrumentierung, eine Gebissleiste an Kippschalterchen -, gelingt es dem Corsa, bedienungsfreundlich Old School zu bleiben und gleichzeitig modern rüberzukommen. “Eher sachlich als verspielt”, sagt der leitende Entwickler Thomas Wanke dazu – deutsche Tugenden am Armaturenträger.

Schon sauber nach Euro 6d

Welchen Motor aber wählen? Hier gibt es zunächst vier Optionen: Einen 1,2-l-Dreizylinder-Benziner, von dem die Leistungsstufen 55 kW/75 PS (Sauger), 74 kW/100 PS und 96 kW/130 PS (beides Turbos) abgeleitet werden. Außerdem darf der Corsa einen Diesel behalten – auch wenn er kein Langstreckler ist, so wird er doch vielfach im Flottengeschäft (etwa bei Pflegediensten) eingesetzt. Beim 1,5-l-Selbstzünder handelt es sich um einen Vierzylinder, der 75 kW (102 PS) leistet und mit einem Verbrauch von 4,5 bis 4,0 l/100 km erwartungsgemäß zur sparsamsten Antriebsquelle wird.

Alle Motoren verfügen über einen Partikelfilter, der Diesel erfüllt die Abgasnorm Euro 6d-Temp, die Benziner tun bereits Euro 6d Genüge.

Opel Corsa

Breit aufgestellt: Der Corsa F wird mit Benzinern, aber auch einem Diesel ausgeliefert. Hersteller

Erste Probefahrten führten zur Erkenntnis, dass man mit der mittleren Ausbaustufe des Benziners bestens fährt. Drehmomenttechnisch ist der 100-PS-Otto mit 205 Newtonmetern ordentlich dabei, er agiert durchzugskräftig und läuft dabei ruhig und kultiviert. Im Hintergrund baut sich die typische Dreizylinder-Klangkulisse auf, nervig wirkt sie nie.

Verbrauchstechnisch gibt Opel einen WLTP-Wert von 5,9 bis 5,4 l/100 km an. Die Sechsgang-Schaltung arbeitet tadellos, wir empfehlen dennoch die Achtstufen-Automatik (1760 Euro) – einfach, weil sie sich sehr gut, sehr sanft und dabei passgenau durch die Gänge schaltet.

Zur Abgrenzungsstrategie gegenüber dem Peugeot 208 gehört auch, dass Opel den Corsa als das sportlichere, fahraktivere Auto positionieren möchte, in besonderem Maße fit für hohe Geschwindigkeiten. “Wir sind da eher auf der strafferen Seite”, sagt Thomas Wanke. Deutsche Tugenden, wiederum. Agil also, präzise, verlässlich bei forscher Fahrt: Der stark abgespeckten Generation F (das Basismodell wiegt weniger als eine Tonne) liegt das Sporteln. Das Fahrwerk ist sauber und straff abgestimmt, was aber auch seine Kehrseite hat: Beim Fahrkomfort ist Luft nach oben, und ob das den Kunden behagt, bleibt abzuwarten. Wir argwöhnen, dass die meisten weniger auf Kurvenräuberei aus sind und stattdessen lieber einen etwas sanfteren Umgang mit Querfugen oder holprigem Asphalt hätten.

Basismodell ab 13.990 Euro

Wer den 100-PS-Benziner erwählt – was wohl das Gros der Kunden tun wird – muss sich vom Gedanken an die Basisausstattung verabschieden. Diese – mit Frontkollisionswarner, intelligentem Tempomat, Spurhalte-Assistent und Verkehrszeichenerkennung, aber noch ohne Klimaanlage – ist ausschließlich in Verbindung mit dem 75-PS-Benziner und manueller Fünfgangschaltung erhältlich, was dann im Paket 13.990 Euro kostet. Ob das jemand kauft? Wir zweifeln. Den 100-PS-Ottomotor bekommt man erst als “Edition” und ab 17.530 Euro, recht viel mehr als die Klimaanlage bekommt der Kunde im Vergleich zum Einstiegsmodell aber nicht draufgepackt.

Opel Corsa-e

Elektrische Alternative: Der Opel Corsa-e wird ab 29.900 Euro kosten. Hersteller

Wirklich Sinn macht erst das “Elegance”-Level, das mit Basismotor 17.850 Euro und mit unserem 100-PS-Favoriten unter der Haube ab 19.530 Euro kostet. Elektrische Fensterheber, LED-Scheinwerfer, Multimedia-Radio mit Sieben-Zoll-Bildschirm, 16-Zoll-Aluräder und eine Mittelarmlehne sind hier im Preis inbegriffen – Basics, die man gern ab Werk geliefert bekommt. Weil das Smartphone via Apple CarPlay oder Android Auto zu integrieren ist, kann sich der Kunde auch die Investition ins Navi (800 Euro) sparen.

Abgesehen davon lassen sich viele Extras überhaupt erst ab “Elegance” buchen: Das in der Kleinwagenklasse nicht übliche LED-Matrix-Licht (700 Euro), Park & Go (650 Euro) mit Rückfahrkamera, Einparkhilfe, Totem-Winkel-Warner und elektrisch anklappbaren Außenspiegeln; ferner der Fahrersitz mit Massagefunktion (1400 Euro) oder der “Active Drive Assist” mit autonomem Staufolgefahren (450 Euro).

Der 130-PS-Topmotor ist ausschließlich in Kombination mit der GS-Ausstattung zu ordern, Automatik, Klimaautomatik, Sportsitze, Sportpedale und Sportmodus sind hier inklusive, Kostenpunkt 23.340 Euro. Der Diesel schließlich (“Edition”) kommt auf mindestens 19.350 Euro.

Elektrische Alternative

Als der Corsa A vor 37 Jahren auf den Markt fuhr, hatte die Welt schon die Ölkrisen und speziell Deutschland seine autofreien Sonntage hinter sich, von Klimawandel, CO2-Flottengrenzwerten und damit auch von Elektromobilität war aber noch nicht die Rede. Das hat sich gründlich geändert, und deshalb wird es vom Corsa erstmals auch eine vollelektrische Version geben. Im Frühjahr 2020 kommt sie zum Händler, leistet 100 kW (136 PS), fährt mit einer Akkuladung bis zu 337 Kilometer weit und kostet ab 29.900 Euro. Zieht der Kunde davon die neue Fördersumme in Höhe von 6570 Euro (brutto) ab, landet er preislich sogar unterhalb des Top-Benziners in Top-Ausstattung. Vor dem neuen Corsa F liegt ein interessantes Leben.

Ulla Ellmer

Opel Corsa in Kürze:

Wann er kommt:Steht bereits beim Händler

Wen er ins Visier nimmt:Peugeot 208, VW Polo, Ford Fiesta, Renault Clio etc.

Was ihn antreibt:1,2-l-Dreizylinder-Benziner mit 55 kW/75 PS, 74 kW/100 PS und 96 kW/102 PS. 1,5-l-Vierzylinder-Diesel mit 100 kW/136 PS.

Was er kostet:Ab 13.990 Euro

Was noch folgt:Anfang 2020 der elektrische Corsa-e

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