Formel 1: Kommentar zu Motor-Vorwürfen Ferrari in der Bredouill

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Ferrari in der Bredouille

Ferrari steht nach den Betrugsvorwürfen beim Motor in Sao Paolo unter Beobachtung der ganzen Formel 1. Kommentar von ABMS-Reporter Ralf Bach:

Sebastian Vettelwar logischerweise sauer. Als “unreif” bezeichnete der Ferrari-Pilot die Aussagen seines Fahrerkollegen Max Vertappen (alle Hintergründe hier). Der Red-Bull-Pilot hatte über die erstaunlichen Leistungsverlust Ferraris beim letzten Rennen inAustinoffen ausgesprochen, was sonst fast alle dachten. DassFerrarigetrickst und sich damit nicht genau an das fest vorgeschriebene Motorreglement gehalten habe.

Hintergrund: Vor dem GP der USA hatte der AutomobilweltverbandFIAeine Direktive verschickt.Red Bullhatte angefragt, wie man den FIA-Sensor zur Begrenzung der Benzindurchflussmenge umgehen könne. Drei Szenarien wurden vom österreichischen Team skizziert, die von der FIA alle als illegal abgewiesen wurden. Klar war, dass Red Bull bei der Anfrage Ferrari im Visier hatte.

Die Hexenjagd geht jetzt in Brasilien weiter. Um sicher zu stellen, dass nicht nur mit der Benzindurchflussmenge getrickst werden kann, hat die FIA nun alle zehn Teams gebeten, Informationen über ihre Schmierstoffe imMotorzur Verfügung zu stellen.

Dies steht im Zusammenhang mit einer neuen technischen Richtlinie, die der Weltverband vor Brasilien veröffentlicht hat. Damit soll sichergestellt werden, dass die Teams kein Öl verbrennen, um daraus einen Leistungsvorteil zu ziehen. Denn eine Theorie der Ferrari-Konkurrenz besagt: Ein bewusst herbeigeführtes Leck im Ladeluftkühler könnte dafür sorgen, dass kleine Mengen Öldampf Teil des Verbrennungsprozesses im Motor werden. Laut Reglement darf kein Nutzen aus dem Verdampfen einer Kühlflüssigkeit gezogen werden – abgesehen von der normalen Benzinverbrennung.

Vettel

Sebastian Vettel und Ferrari stehen jetzt unter Druck

Erst vor kurzem hatte mir Ex-Mercedes-Motorendesigner Mario Illien erklärt, dass man mit den aktuellen, aufgeladenen Hybridmotoren nur mit einer nach oben verschobenen Klopfgrenze bis zu 50 Zusatz-PS abrufen kann. Dabei tritt kurzfristig eine unkontrollierte Verbrennung des Kraftstoffs ein. Temperatur und Druck steigen schlagartig an, eine Detonationswelle breitet sich mit Überschallgeschwindigkeit im Brennraum. Das sei sowohl mit einer erhöhten Durchflussmenge anBenzinals auch mit Einspritzen von Öl möglich. Aber beides ist verboten.

Fest steht: Die Schlinge um Ferrari zieht sich zu. Deshalb bin nicht nur ich gespannt, wie die Rundenzeit und speziell die Höchstgeschwindigkeit beider Ferrari auf der knapp über einen Kilometer langen Bergauf-Geraden sein wird. Red-Bull-Chefberater Helmut Marko sagte mir noch vor dem Abflug nach Brasilien: “Jetzt schauen wir mal, wie Ferrari aus der Nummer herauskommt und was sie machen werden. In Austin erklärten sie den dramatischen Verlust vom Maximumspeed noch mit einem ganz auf Abtrieb eingestellten Auto. Die ganze Formel 1 schaut deshalb inSao Paulogenau hin.”

Ohne Ferrari zu nahe treten zu wollen: Die Scuderia hat für mich ein Problem. Sind sie wieder “zu schnell”, zeigt man mit dem Finger auf sie. Wenn nicht, glaubt jeder zu wissen, warum. Denn erstaunlich war der Leistungsverlust in Austin nach der ersten FIA-Direktive schon. Es hat ein “Geschmäckle” hinterlassen, wie man im Schwabenland vonMercedessagen würde.

Ich habe meine eigene Theorie: Die FIA weiß genau, was Ferrari gemacht hat. Und sie weiß auch, dass die anderen das wissen. Um einen Skandal zu vermeiden, macht die FIA Ferrari deshalb jetzt auf diesem Weg gefügig. 

Ich schließe mich dabei der Meinung von Honda-Chef Toyoharu Tanabe an. Der hat vor Sao Paulo noch einmal gründlich darauf hingewiesen: “Wir wollen faire Rennen unter dem Reglement der FIA fahren und die Regularien respektieren. Das ist unser Wunsch.”

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