Diesel-Skandal: Erste Genehmigung für Hardwarenachrüstungen älterer Diesel-Autos

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Die seit Monaten in Aussicht gestellten Hardware-Nachrüstungen von Diesel-Autos mit zu hohen Schadstoffwerten in Deutschland können starten. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilte nach Darstellung des Bamberger Technologie-Anbieters Dr Pley am Freitag die erste Allgemeine Betriebserlaubnis zur Dieselnachrüstung. Diese betreffe Nachrüstsätze für Volvo-Modelle. Demnächst seien auch Genehmigungen für Fahrzeuge von Daimler und BMW zu erwarten.

VW hat hat Millionen Motoren mit einer Software ausgestattet, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren. Auslöser des Skandals waren Ermittlungen der US-Umweltbehörde.

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Es istden Angaben zufolgedas erste Mal, dass ein solches System in Deutschland zugelassen worden sei. Zuvor hatten derSpiegelund der Bayerische Rundfunk darüber berichtet. Ziel ist es, dass nachgerüstete Fahrzeuge von Fahrverboten ausgenommen werden können. Die Umrüstungen am Motor sind Teil einesMaßnahmenpakets der Regierung für bessere Luft. Nach den Vorgaben des KBA dürfen die umgerüsteten Autos im Realbetrieb noch 270 Milligramm Stickoxid je Kilometer ausstoßen, um von Fahrverboten verschont zu werden.

Das KBA habe dem Nachrüstsatz für Volvo-Modelle mit 2,0- beziehungsweise 2,4-Liter-Dieselmotoren der Abgasnorm Euro 5 eine Betriebserlaubnis erteilt, bestätigte Dr Pley. Dies umfasse die Volumenmodelle XC60, XC70, S60, V60. Für Daimler-Modelle werde eine KBA-Erlaubnis zum 31. Juli erwartet, für BMW-Modelle zum 15. August.

Deutsche Hersteller hatten sichnach langer Debatte auf Zuschüsse für Hardware-Nachrüstungen eingelassen. Sie favorisieren Software, um die Abgaswerte zu verbessern. Einflächendeckendes Fahrverbot für Euro-5-Dieselgibt es bislang in keiner deutschen Stadt.

Das von Dr Pley entwickelte System für den nachträglichen Einbau in Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 5 werde von der Bosal Retrofit GmbH produziert und vertrieben, so das Unternehmen weiter. Es verwies auf KBA-Angaben, wonach noch knapp 5,6 Millionen Euro-5-Diesel-Pkw auf deutschen Straßen unterwegs seien.
Vom Kraftfahrt-Bundesamt und vom Bundesverkehrsministerium gab es zunächst keine Stellungnahmen.

[Update 28.7.2019 14:45 Uhr:]Das Bundesverkehrsministerium bestätigte, dass das erste Abgasnachrüstsystem vom KBA gebilligt worden sei und weitere folgten. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet aber keinen Ansturm. Er sprach von einem wichtigen Beitrag – mit allerdings überschaubaren Effekten. “Es wird keinen großen Run auf Nachrüstungen geben”, sagte der Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essener der Deutschen Presse-Agentur. Die Nachrüstung helfe Autofahrern und Städten. Auch für Händler seien positive Effekte zu erwarten, weil ein stärkerer Wertverfall bei Pkw verhindert werde: “Wir hätten das zwölf Monate früher haben können, wenn sich der Verkehrsminister nicht so umständlich angestellt hätte.”

Der ADAC forderte, dass nach den ersten Genehmigungen schnell weitere Systeme “für möglichst alle betroffenen Fahrzeuge” folgen. “Die Unsicherheit der betroffenen Dieselfahrer dauert schon viel zu lange an”, sagte eine ADAC-Sprecherin in München: “Wichtig ist es nun, dass die Kostenfrage schnell geklärt wird. Es kann nicht sein, dass der Verbraucher auf den Kosten sitzen bleibt.”

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Cem Özdemir, forderte mehr Tempo. “Wir brauchen jetzt eine Offensive für Hardwarenachrüstungen, nach dem Verursacherprinzip finanziert durch die Automobilindustrie”, sagte der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Im vierten Jahr des Dieselskandals fällt die Blockade gegen die Hardwarenachrüstung, die Verkehrsminister Scheuer stets mit vorgeschobenen Argumenten verhindern wollte.”

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und auch die Hersteller hatten sich lange gegen Hardware-Nachrüstungen gesträubt, dann aber im vergangenen Jahr einen Kompromiss für die Finanzierung erzielt. Allerdings machen nicht alle mit. Mitte Mai hatte Scheuer seine Zweifel noch bekräftigt. Er sei gespannt, ob Hersteller von Nachrüstsets ihre Zusagen einhalten und liefern können.

Die Grünen hatten Scheuer schon in der Vergangenheit vorgeworfen, das “Thema Hardwarenachrüstungen sehr erfolgreich sabotiert” zu haben. Die Mittelständler habe Scheuer mit Auflagen und Haftungsfragen so überladen, dass diese den Anforderungen kaum gerecht werden könnten.

Chronologie des Abgas-Skandals (61 Bilder)

Mitte September 2015:  Die US-UmweltschutzbehördeEPA beschuldigt den Volkswagen-Konzern, Diesel-PKWs der Baujahre 2009 bis 2015 mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Prüfungen auf US-amerikanische Umweltbestimmungen austrickst. Zu ähnlichen Untersuchungsergebnissen ist auch das California Air Resources Board (CARB) gekommen. Beide Behörden schicken Beschwerden an VW. (Im Bild: Zentrale der EPA in Washington D.C.)
(Bild: EPA
)

(tiw)

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